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Was Blutdruck, Hören und Sehen mit Demenz zu tun haben

Was Blutdruck, Hören und Sehen mit Demenz zu tun haben

Bis zu 45 % aller Demenzfälle weltweit gelten heute als vermeidbar oder verzögerbar. Und drei der mächtigsten Hebel? Die hat fast jeder von uns in der Hand – ohne es zu wissen.

Vielleicht kennen Sie das: Beim letzten Arztbesuch war der Blutdruck etwas zu hoch. In lauten Räumen verstehen Sie nicht mehr alles. Und beim Lesen kneifen Sie inzwischen öfter die Augen zusammen. Drei Kleinigkeiten, denkt man – jede für sich harmlos.

Doch genau diese drei Kleinigkeiten – Bluthochdruck, Schwerhörigkeit und nachlassendes Sehvermögen – gehören zu den wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für Demenz. [1]

🩸 Demenz durch Bluthochdruck?

Eine internationale Forschungsgruppe – die Lancet Commission on Dementia Prevention, Intervention and Care – wertet seit Jahren aus, welche Faktoren das Demenzrisiko über das Leben hinweg beeinflussen.

Im Update von 2024 hat die Kommission 14 veränderbare Risikofaktoren identifiziert. Drei dieser Faktoren stehen heute im Mittelpunkt. Bluthochdruck und Schwerhörigkeit gehören laut der Kommission im mittleren Lebensalter sogar zu den Risikofaktoren mit dem höchsten Einfluss auf das spätere Demenzrisiko. Sehverlust wurde 2024 erstmals neu in die Liste aufgenommen. [1]

🩺 Bluthochdruck: Druck auf Ihr Gehirn

Bluthochdruck tut meist nicht weh. Genau das macht ihn so heimtückisch.

Blut

Über Jahre hinweg setzt ein dauerhaft erhöhter Blutdruck den feinen Blutgefäßen im Gehirn zu – jenen Gefäßen, die Denken, Erinnern und Konzentrieren mit Sauerstoff versorgen. Beobachtungsstudien zeigen, dass Bluthochdruck im mittleren Lebensalter (etwa zwischen 40 und 65 Jahren) mit kleineren Hirnvolumen, mehr Schäden an kleinen Hirngefäßen und einem höheren Demenzrisiko verbunden ist. [1,2]

Besonders interessant ist eine große US-amerikanische Interventionsstudie mit dem Namen SPRINT MIND. Dort wurden über 8.000 Erwachsene mit Bluthochdruck zufällig zwei Gruppen zugeteilt: Die eine bekam eine intensivere Blutdrucksenkung, die andere eine Standardbehandlung. Nach mehreren Jahren Beobachtung trat in der Gruppe mit dem strengeren Ziel seltener eine leichte kognitive Beeinträchtigung auf – eine Phase, in der das Gedächtnis oder die Konzentration messbar nachlassen, der Alltag aber noch weitgehend selbstständig bewältigt wird. Bei einem Teil der Betroffenen gilt sie als Risikostadium, aus dem sich später eine Demenz entwickeln kann. [3]

Die Studie zeigt: Wer seinen Blutdruck regelmäßig kontrolliert und stabil hält, tut seinem Gehirn etwas Gutes. [3]

👂 Schwerhörigkeit: Wenn dem Gehirn die Reize fehlen

Wer schlechter hört, muss bei Gesprächen nicht nur ständig nachfragen, sondern schadet potenziell auch seinem Gehirn.

Hören ist mehr als nur ein Sinneseindruck. Wenn Stimmen, Sprache und Umgebungsgeräusche nur noch gedämpft im Gehirn ankommen, führt dies langfristig zu einer Art Unterreizung des Gehirns. Gespräche können dabei so anstrengend werden, dass sich Betroffene zurückziehen. Beides – weniger Sinneseindrücke und weniger soziale Kontakte – steht im Zusammenhang mit einem höheren Demenzrisiko. [1,4]

Hörgerät

Eine wichtige Studie dazu trägt den Namen ACHIEVE. Forschende in den USA begleiteten knapp 1.000 ältere Erwachsene mit unbehandelter Schwerhörigkeit über drei Jahre. Eine Gruppe bekam Hörgeräte und eine begleitende Hör-Beratung, die andere Gruppe nur allgemeine Gesundheitsschulungen.

Bei Teilnehmenden mit erhöhtem Risiko für kognitiven Abbau verlangsamte sich der geistige Abbau in der Hörgeräte-Gruppe um rund 48 % über drei Jahre im Vergleich zur Gruppe mit allgemeinen Gesundheitsschulungen. [5]

Hörgeräte können also einen wichtigen Beitrag zum Schutz vor einer Demenz leisten! [5]

👀 Sehen: Wenn dem Gehirn die Bilder fehlen

Im Update von 2024 wurde Sehverlust erstmals offiziell zu den 14 modifizierbaren Risikofaktoren für Demenz aufgenommen. [1]

Auch hier gilt ein ähnliches Muster wie beim Hören: Wenn das Gehirn weniger visuelle Reize bekommt, fehlen ihm wichtige Eingangskanäle. Lesen, Gesichter erkennen, sich orientieren – das sind alles Aufgaben, ohne die das Gehirn deutlich weniger gefordert wird. Eine unbehandelte Sehschwäche kann außerdem dazu führen, dass Menschen weniger lesen, weniger sozial aktiv sind oder häufiger stürzen. Eine Auswertung mehrerer großer Bevölkerungsstudien zeigt daher wenig überraschend: Eine deutliche Sehminderung steht mit einem erhöhten Demenzrisiko in Verbindung. [6]

Das Spannende: Viele Sehprobleme im Alter sind gut behandelbar – etwa Grauer Star, Altersweitsichtigkeit oder bestimmte Netzhauterkrankungen.

Eine angepasste Brille, eine Untersuchung beim Augenarzt oder eine kleine Operation können den Alltag erleichtern und das Gehirn weiter mit Reizen versorgen. [1,6]

🔒 Wie beim Tresor: Die Kombination zählt

Doch zurück zur Frage vom Anfang. Reicht es, wenn Sie sich nur einen dieser drei Punkte vornehmen?

Die Antwort der Forschung ist klar: Jeder einzelne dieser Risikofaktoren zu verändern, verbessert Ihre Gehirngesundheit. Zusammen können sie aber den größten Effekt erzielen!

Zwei große Studien aus dem Jahr 2025 haben das eindrucksvoll gezeigt: die Maintain Your Brain-Studie aus Australien und die US POINTER-Studie aus den USA. Beide testeten, ob mehrere Lebensstil-Bausteine zusammen – Ernährung, Bewegung, Herz-Kreislauf-Gesundheit und geistige Aktivität (wie Gehirntraining) – die geistige Leistung älterer Erwachsener mit erhöhtem Demenzrisiko verbessern können. Beide kamen zum Ergebnis: Wer mehrere Hebel gleichzeitig nutzt, kann seine geistige Leistung messbar steigern. [7,8]

Maintain Your Brain ging dabei noch einen Schritt weiter: Die Forschenden maßen auch einen etablierten Demenz-Risikoscore – und der sank in der Interventionsgruppe deutlich stärker als in der Kontrollgruppe. [7]

Und der Effekt hält. In der bekannten FINGER-Studie aus Finnland – einer der wichtigsten Präventionsstudien zur Gehirngesundheit – zeigte sich nach 11 Jahren Nachbeobachtung, dass die positiven Effekte eines gebündelten Lebensstil-Ansatzes über viele Jahre tragen können. [9]

Kurz gesagt: Je mehr Hebel Sie nutzen, desto stärker schützen Sie Ihre Gehirngesundheit langfristig. [1,7,8,9]

🎯 Gehirntraining als Teil der Lösung

Gehirntraining als Teil der geistigen Aktivität kann also im Zusammenspiel mit anderen Hebeln das Gehirn wirksam schützen. Aber das ist nicht der einzige Vorteil, wie eine der bekanntesten Trainingsstudien mit älteren Erwachsenen zeigt: die ACTIVE-Studie. Die Teilnehmenden absolvierten ein gezieltes Training für Gedächtnis, Denkgeschwindigkeit oder logisches Schlussfolgern.

Gehirntraining

Das Ergebnis: Auch zehn Jahre später schnitten die trainierten Gruppen in den jeweils trainierten Bereichen besser ab als die Vergleichsgruppe – und berichteten von einer höheren Selbstständigkeit im Alltag. [10]

✅ Für ein gesundes Gehirn

Um Ihr Gehirn langfristig gesund und aktiv zu halten, empfehlen wir Ihnen diese 4 Schritte:

  1. Blutdruck im Blick behalten 🩺 – ab etwa 40 regelmäßig messen lassen, bei erhöhten Werten ärztlich abklären. [1,3]
  2. Hören prüfen lassen 👂 – bei Anzeichen von Schwerhörigkeit Hörtest machen und Hörgeräte ernst nehmen. [1,5]
  3. Augen checken lassen 👀 – Sehschwäche, Grauer Star und Co. lassen sich heute meist gut behandeln. [1,6]
  4. Gehirn aktiv fordern 🧠 – mit gezieltem kognitivem Training, Lesen, sozialen Kontakten und neuen Herausforderungen. [9,10]

Fordern Sie Ihr Gehirn gleich heute mit NeuroNation Premium. Trainieren Sie gezielt Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Denkgeschwindigkeit – in kurzen Einheiten, die in jeden Alltag passen.

Wir wünschen Ihnen einen klaren Kopf und gesunde Sinne!

Ihr NeuroNation-Team

Quellen

[1] Livingston, G., Huntley, J., Liu, K. Y., Costafreda, S. G., Selbæk, G., Alladi, S., Ames, D., Banerjee, S., Burns, A., Brayne, C., Fox, N. C., Ferri, C. P., Gitlin, L. N., Howard, R., Kales, H. C., Kivimäki, M., Larson, E. B., Nakasujja, N., Rockwood, K., … Mukadam, N. (2024). Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission. The Lancet, 404(10452), 572–628. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(24)01296-0

[2] Iadecola, C., Yaffe, K., Biller, J., Bratzke, L. C., Faraci, F. M., Gorelick, P. B., Gulati, M., Kamel, H., Knopman, D. S., Launer, L. J., Saczynski, J. S., Seshadri, S., & Zeki Al Hazzouri, A. (2016). Impact of hypertension on cognitive function: A scientific statement from the American Heart Association. Hypertension, 68(6), e67–e94. https://doi.org/10.1161/HYP.0000000000000053

[3] Williamson, J. D., Pajewski, N. M., Auchus, A. P., Bryan, R. N., Chelune, G., Cheung, A. K., Cleveland, M. L., Coker, L. H., Crowe, M. G., Cushman, W. C., Cutler, J. A., Davatzikos, C., Desiderio, L., Erus, G., Fine, L. J., Gaussoin, S. A., Harris, D., Hsieh, M.-K., Johnson, K. C., … SPRINT MIND Investigators for the SPRINT Research Group. (2019). Effect of intensive vs standard blood pressure control on probable dementia: A randomized clinical trial. JAMA, 321(6), 553–561. https://doi.org/10.1001/jama.2018.21442

[4] Loughrey, D. G., Kelly, M. E., Kelley, G. A., Brennan, S., & Lawlor, B. A. (2018). Association of age-related hearing loss with cognitive function, cognitive impairment, and dementia: A systematic review and meta-analysis. JAMA Otolaryngology – Head & Neck Surgery, 144(2), 115–126. https://doi.org/10.1001/jamaoto.2017.2513

[5] Lin, F. R., Pike, J. R., Albert, M. S., Arnold, M., Burgard, S., Chisolm, T., Couper, D., Deal, J. A., Goman, A. M., Glynn, N. W., Gmelin, T., Gravens-Mueller, L., Hayden, K. M., Huang, A. R., Knopman, D., Mitchell, C. M., Mosley, T., Pankow, J. S., Reed, N. S., … Coresh, J. (2023). Hearing intervention versus health education control to reduce cognitive decline in older adults with hearing loss in the USA (ACHIEVE): A multicentre, randomised controlled trial. The Lancet, 402(10404), 786–797. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(23)01406-X

[6] Shang, X., Zhu, Z., Wang, W., Ha, J., & He, M. (2021). The association between vision impairment and incidence of dementia and cognitive impairment: A systematic review and meta-analysis. Ophthalmology, 128(8), 1135–1149. https://doi.org/10.1016/j.ophtha.2020.12.029

[7] Brodaty, H., Chau, T., Heffernan, M., Ginige, J. A., Andrews, G., Millard, M., & Valenzuela, M. (2025). An online multidomain lifestyle intervention to prevent cognitive decline in at-risk older adults: A randomized controlled trial. Nature Medicine, 31(2), 565–573. https://doi.org/10.1038/s41591-024-03351-6

[8] Baker, L. D., Espeland, M. A., Whitmer, R. A., Snyder, H. M., Leng, X., Lovato, L., & Carrillo, M. C. (2025). Structured vs self-guided multidomain lifestyle interventions for global cognitive function: The US POINTER randomized clinical trial. JAMA. https://doi.org/10.1001/jama.2025.12923

[9] Kivipelto, M. (2025). First presentation of 11-year follow-up. FINGERS Brain Health Institute. https://fbhi.se/first-presentation-of-11-year-follow-up/

[10] Rebok, G. W., Ball, K., Guey, L. T., Jones, R. N., Kim, H. Y., King, J. W., Marsiske, M., Morris, J. N., Tennstedt, S. L., Unverzagt, F. W., & Willis, S. L. (2014). Ten-year effects of the Advanced Cognitive Training for Independent and Vital Elderly cognitive training trial on cognition and everyday functioning in older adults. Journal of the American Geriatrics Society, 62(1), 16–24. https://doi.org/10.1111/jgs.12607

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