Welche Rolle spielt Gehirntraining für unsere Gesellschaft: Prof. Dr. med. Falkenstein im Interview

Herr Prof. Dr. med. Falkenstein ist Direktor des Instituts für Arbeiten, Lernen, Altern (ALA), welches sich aus verschiedenen Perspektiven mit dem Thema Alter und Arbeit beschäftigt. Zudem kooperiert er mit Kliniken und Institutionen zum Thema Förderung der mentalen Kompetenz von Kindern, älteren Patienten und Senioren allgemein. Bei seinen Projekten setzt er kognitives Training wie NeuroNation ein und unterstützt und berät das NeuroNation-Team bei der Entwicklung neuer Übungen.

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NeuroNation: Herr Professor Falkenstein, Sie sind seit Langem im wissenschaftlichen Beirat von NeuroNation. Zurzeit sind Sie als Direktor am Institut für Arbeiten, Lernen, Altern (ALA) tätig. Bitte erzählen Sie uns mehr über das Institut und Ihre Tätigkeit.

Prof. Falkenstein: ALA berät Firmen und Institutionen zum Thema Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit alternder Belegschaften und zu Maßnahmen einer altersfreundlichen und gesundheitsförderlichen Arbeitsgestaltung. Unser Leistungsspektrum beruht auf dem klassischen Grundgerüst eines ganzheitlichen Betrieblichen Gesundheitsmanagements zur systematischen Vorgehensweise (PDCA-Zyklus). Dabei liegt der Schwerpunkt insbesondere in der Analyse bzw. Evaluation von Verhaltens- und Verhältnisprävention auf die kognitive Leistungsfähigkeit und mentale Gesundheit sowie in der gezielten Projektunterstützung und -begleitung zur Förderung der mentalen und körperlichen Fitness der Beschäftigten. Als wissenschaftsnaher und zugleich anwendungsbezogener Beratungsdienstleister fokussieren wir uns auf die anwachsende Nachfrage und den erhöhten Bedarf an lösungs- und zukunftsorientierten Ansätzen den Herausforderungen der Arbeitswelt von heute und morgen zu begegnen.

NeuroNation: Wie sind das ALA Institut und Ihre Arbeit mit Gehirntraining verbunden?

Prof. Falkenstein: ALA bietet kognitives Training als einen Baustein zur Förderung der geistigen Fitness, z.B. bei Beschäftigten mit monotoner Arbeit, lernentwöhnten Beschäftigten, Arbeitslosen, und Senioren. Bei diesen Personengruppen bestehen oft kognitive Einbußen, und kognitives Training wirkt vermutlich am besten bei Menschen, die solche Einbußen zeigen. Darüber hinaus unterstützen wir Betriebe proaktiv in der Prävention und Gesundheitsförderung im Kontext von Kognition und Arbeit. Die Erhaltung der mentalen Gesundheit gilt als eine besonders wichtige Ressource bei stetig ansteigenden psychischen beruflichen Anforderungen und vor dem Hintergrund des demografischen Wandels.

NeuroNation: Was sind die Vorteile von Gehirntraining für ein Individuum? Und was sind die Vorteile für die gesamte Gesellschaft?

Prof. Falkenstein: Diese innovativen Ansätze bergen sowohl auf persönlicher als auch gesellschaftlicher Ebene Präventionspotenziale. Im Arbeitskontext gewinnt der Kognitionsaspekt an enormer Bedeutung. Vorteile sind hier der leichte Zugang, einfache Einstieg und die Motivation durch Spielspaß sowie häufige Rückmeldung über die persönliche aktuelle Leistung. Der Nutzen für jeden Einzelnen liegt u.a. in einer verbesserten Verarbeitungsgeschwindigkeit und Aufmerksamkeitsleistung, die z.B. eine Stressreduzierung nach sich zieht. Die alternssensitive fluide Intelligenz wird verstärkt trainiert und gefördert, sodass ungünstige Arbeits- und Lebensbedingungen kompensiert werden können.

NeuroNation: Welche Faktoren spielen bei der Wahl des richtigen Trainings eine Rolle?

Prof. Falkenstein: Gute Trainings müssen fordern, sonst bewirken sie wenig. Dies geschieht am besten durch eine Anpassung der Schwierigkeit an die jeweilige Leistung und Motivation. Zudem sollten sie gleichzeitig verschiedene kognitive Funktionen ansprechen, wie es ja auch bei anspruchsvollen Tätigkeiten im realen Leben der Fall ist. Vor allem aber müssen sie Spaß machen, sonst beschäftigen Menschen sich nicht lange mit ihnen. Jüngere Studien deuten auf eine Erfolg versprechende Kombination von Bewegungsaufgaben und kognitiven Aspekten (Dual-Task-Training) hin. Dabei spielen auch hier Erfolgsergebnisse, die strukturelle Veränderungen im Gehirn hervorrufen und motorische Lernvorgänge begünstigen, eine entscheidende Rolle. Allgemein gilt für eine hohe Motivation und langfristige Beteiligung eine individuums- oder unternehmensspezifische Ausrichtung des Trainingsprogrammes.

NeuroNation: Dieses Interview führen wir im Rahmen der internationalen Brain Awareness Week durch. Das Ziel dieser Initiative ist es, die Wichtigkeit der Gehirnforschung im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu etablieren. Was wissen wir bereits aus der Forschung über die Effekte von Gehirntraining?

Prof. Falkenstein: Gute kognitive Trainings bewirken sog. Transfer, d.h. sie verbessern nicht nur die Leistung in den trainierten Aufgaben, sondern auch die mit den Aufgaben implizit trainierten kognitiven Funktionen. Vor allem zeigen aktuelle Hirnforschungsstudien, an denen ich auch selbst mitgewirkt habe, dass kognitives Training einen positiven Einfluss auf wichtige Hirnstrukturen und -funktionen haben kann. In einer gerade publizierten Studie konnte gezeigt werden, dass ein sorgfältig ausgewähltes kognitives Training Entscheidungsfähigkeit und Fehlererkennung bei älteren Beschäftigten mit monotoner Arbeit nachhaltig verbessert, was sich in einer Verstärkung der diesen Funktionen zugrunde liegenden elektrischen Hirnaktivität zeigt.

NeuroNation: Warum ist die Erforschung des kognitiven Trainings von großer Bedeutung?

Prof. Falkenstein: Weil kognitives Training eine niederschwellige und preisgünstige Methode ist, um die mentale Fitness zu fördern. Es trägt zur Gesunderhaltung und Gesundheitsförderung bei und kann je nach Trainingsinhalt auch die Sicherheit in Betrieben durch eine erhöhte psychische und physische Leistungsfähigkeit erheblich steigern.

NeuroNation: Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung der Forschungsarbeiten im Bereich des Gehirntrainings? Welche Fragen bleiben immer noch offen?

Prof. Falkenstein: Bisher gibt es noch zu wenig Forschung zur Frage, wer besonders von kognitiven Trainingsmaßnahmen profitiert und welches Format ein erfolgreiches Training haben muss um nachhaltige Effekte auf kognitive Funktionen und die Leistung in Alltagssituationen zu erbringen.

NeuroNation: Herzlichen Dank für das Interview, Herr Professor Falkenstein.

 

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