Die Sozialpsychologie gibt Antworten: Deswegen ist die Ice Bucket Challenge so erfolgreich

Wieso schütten sich Menschen eiskaltes Wasser über den Kopf, um zu spenden? Könnten wir nicht einfach spenden ohne dabei nass zu werden? Die Sozialpsychologie gibt Antworten. Erkennen Sie sich wieder?

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Haben Sie auch schon an der sogenannten Ice Bucket Challenge teilgenommen? Wenn nein, kann es gut sein, dass Sie in den nächsten Tagen an der Reihe sind. Seit einigen Wochen geistert die sogenannte Ice Bucket Challenge (deutsch: Eiskübelherausforderung) durch das Internet. Bei der Ice Bucket Challenge geht es darum, dass sich eine Person verpflichtet für die Krankheit ALS zu spenden, indem Sie einen Eimer mit eiskaltem Wasser über sich kippt, dabei filmt und das Video in ein soziales Netzwerk lädt.

Auch Bill Gates nimmt teil

Durch die Teilnahme an dem Wettbewerb kann die begossene Person zudem drei weitere Personen auffordern das Gleiche zu tun. In Windeseile verbreitete sich dieser Wettbewerb durch die sozialen Medien wie Facebook und Google Plus. Selbst Prominente wie Bill Gates, Mark Zuckerberg und Manuel Neuer haben an der Challenge teilgenommen. Die Challenge ist so erfolgreich, dass es bereits einen Wikipedia-Eintrag gibt. Doch wieso ist diese Challenge derart viral? Die Sozialpsychologie, die sich mit dem Verhalten von Menschen in Gruppen beschäftigt, gibt Antworten darauf:

1. Menschen direkt ansprechen

Direkte Ansprache ist wirksam

Viele Menschen sind verantwortungsscheu. Der allgemeine Appell zu spenden funktioniert daher in der Regel schlechter, als Menschen direkt anzusprechen. Bei der Ice Bucket Challenge wird eine Person namentlich genannt und aufgefordert ebenfalls teilzunehmen. Der soziale Druck ist dabei erheblich.

2. Vorbilder

Unbestritten sind Menschen wie Bill Gates und Mark Zuckerberg sehr erfolgreich und intelligent. Eine Aktion wie die Ice Bucket Challenge könnte zunächst albern oder gar kindisch wirken. Wenn wir unsicher sind, wie eine Situation zu bewerten ist, suchen wir nach Anhaltspunkten in unserer Umwelt. Wenn seriöse Menschen wie Bill Gates an der Challenge teilnehmen, so das Denken vieler Menschen, ist es vertretbar daran mitzumachen, ohne zu albern zu wirken.

3. Ein guter Zweck

Einige werden sich erinnern, dass es vor gut einem halben Jahr bereits eine ähnliche Challenge gab. Dabei sollten Personen eine Flasche Bier in einem Zug leeren, sich dabei filmen lassen, das Video ins Internet hochladen und 3 Personen nominieren. Diese Challenge war jedoch mit keinem Spendenaufruf verbunden. Auch diese Aktion war sehr erfolgreich. Jedoch waren sehr viele Menschen auch um ihren Ruf besorgt und nahmen an der Challenge nicht teil, obwohl es ihnen in den Fingern juckte. Bei der Ice Bucket Challenge verhält es sich anders, schließlich geht es um einen guten Zweck. Man kann sich stets darauf berufen an der Aktion nur aus hehren Motiven teilgenommen zu haben.

4. Gruppenzwang

GruppenzwangMenschen sind Herdentiere. Wenn genügend Menschen ein Verhalten an den Tag legen, ist es schwer diesem Verhalten zu widerstehen. Wenn genügend Personen im Bekanntenkreis an dieser Challenge teilnehmen, möchte man nicht als Spielverderber gelten und die Challenge boykottieren.

5. Konsistent wirken, oder: Wer A sagt muss auch B sagen

Nun könnte eingewendet werden, dass zwar viele Menschen an der Challenge teilnehmen, jedoch gar nicht spenden. Tatsächlich sind die Spendeneinnahmen seit Beginn der Challenge in die Höhe geschossen. Ein Grund dafür ist, dass Menschen das Bedürfnis haben, konsistent zu handeln. Wenn eine Person sich öffentlich Wasser über das Haupt gießt und aufruft an der Spendenaktion teilzunehmen, wäre es inkonsistent nicht zu spenden.

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